Die allerletzten Tage Elternzeit

Nun, das war sie wohl…meine acht Monate lange Elternzeit. Anfang September hat die Arbeitswelt mich wieder und ich habe wirklich sehr, sehr gemischte  Gefühle, was das betrifft.

Auf der einen Seite, wenn ich ganz ehrlich bin, denke ich, dass ich momentan den besten, wichtigsten und erfüllendsten Job meines Lebens mache: Mutter sein! Ich fühle mich nicht einsam, mir fehlt nichts, ich kann von Langeweile nur träumen und genieße jeden Tag mit meinem Sohn. Zugegebenermaßen fällt mir ab und zu die Decke auf den Kopf. In dem Sinne, dass der Tagesablauf immer fast dem gleichen Muster unterliegt und die Aktivitäten mit und für das Baby immer die gleichen sind. Das strengt ab und zu tatsächlich an. Nichtsdestotrotz bin ich glücklich, voller Energie und lebensfroh – Zustände, die ich nicht gerade einem berufstätigen Leben zuschreiben würde.

Andererseits stehe ich ganz am Anfang meines Berufslebens und das Konzept „Karriere“ ist mir durchaus wichtig. Ich arbeite grundsätzlich gerne, d.h. ich habe gerne eine Aufgabe. Ich bin auch ein bisschen stolz, dass ich „schon“ nach acht Monaten in den Beruf zurückkehre. Und, mein Gott, vergleicht man Deuschland mit anderen europäischen Ländern, wo die Frauen viel, viel früher in den Beruf zurückkehren müssen (in Frankreich sind drei Monate Elternzeit die Regel, in den Niederlanden gar zehn Wochen), geht es uns hier mit den gegebenen Gesezten und der staatlichen Untersützung richtig gut! Warum also nagt dieses schlechte Gewissen mein Kind „alleine“ zu lassen doch an mir? Da ich grundsätzlich selbstreflexiv bin und immer versuche meinen Emotionen auf den Grund zu gehen, habe ich mich natürlich besonders mit dieser Frage beschäftigt. Und ich bin zu folgenden Antworten gekommen:

  1. Es ist zunächst ganz banal unsere weibliche Biologie und das braucht man gar nicht abstreiten, Feminismus hin oder her. Ich bin davon überzeugt, dass es diese besondere Mutter-Kind Bindung gibt – die eben nur Mütter mit ihren Babies (vor allem in den ersten Lebensmonaten) – sehr stark empfinden und leben. Ich denke schon, dass acht Monate eine relativ kurze Zeit ist. Möglicherweise würde ich nach 1,5 Jahren Elternzeit schon gar nicht mehr wissen wohin mit mir vor lauter Alltasgroutine.
  2. Ein anderer Grund liegt, denke ich, an unserem System. Es ist heute ein ungeschriebenes Gesetz, dass Frauen zwölf Monate Elternzeit nehmen. Und die Männer dann die restlichen zwei für die KiTa-Eingewöhnung. Zumindest habe ich den Eindruck, dass die Mehrheit der Eltern die Situation so regelt. Das führt natürlich dazu, dass ich mir denke: „Oh mann. Ich gehe viel zu früh arbeiten. Alle bleiben ein Jahr zu Hause. Mein Kind braucht mich doch noch, es ist so klein.“
  3.  Und der letzte Grund, den ich für mich identifizieren konnte, hat nur etwas mit meiner Persönlichkeit zu tun: Ich habe Angst vor dem Stress. Ich habe Angst davor mich zu großer Belastung auszuliefern. Ganz konkret stelle ich mir immer wieder vor, wie ich meinen Knirps nachmittags bei der Oma abhole, der Tag sowieso schon anstrengend war und ich einfach nur mit meinem Baby für den Rest des Tages kuscheln will. Aber nein: Ich muss ja noch etwas für morgen vorkochen. Oder einkaufen gehen. Geschweige denn unsere Hochzeit planen. Und dann komme ich nicht früh ins Bett. Und dann wacht der Sohnemann um 5 Uhr auf. Und diese Spirale, die aus angsteinflößenden Prophezeihungen, die allesamt dazu führen, dass ich vor Erschöpfung irgendwann gar nicht mehr funktioniere, führen dann zu den Sorgen, die ich so habe. Jetzt, wo ich das aufschreibe, empfinde ich diesen letzten Punkt sogar am schwerwiegendsten.

Ich habe mir vorgenommen, den August zu genießen und mir einfach keinen einzigen Gedanken über „Später“ zu machen. Klappt zwar nur sehr bedingt, aber ich gebe mein Bestes. Rational gesehen bin ich zu 100% davon überzeugt, dass es die richtige Entschiedung ist, jetzt schon wieder arbeiten zu gehen. Bevor ich Mutter wurde, war ich übrigens eine ganz radikale Verfechterin der working moms. Nun stehe ich kurz davor selber eine working mom zu werden und bin plötzlich ganz kleinlaut und emotional. Soviel zum Thema, dass man erst einmal selber Kinder bekommen sollte, bevor man andere be- oder verurteilt. Man darf aslo gespannt sein, wie sich mein Leben in knapp drei Wochen ändert. Die gute Nachricht: Es steht noch ein Kurztrip zum Bodensee bevor. 🙂

P.S. Ich würde mich hier sehr über eure Erfahrungen freuen: Wie macht ihr das? Wie lange bleibt ihr zu Hause? Wie vereinbart ihr Job und Kind? Wie machen eure Partner das? etc. etc.