Das Leben mit dem Sechs-Monats-Baby

Dieser Beitrag war ja schon längst überfällig, genau genommen seit dem 24.06.2016. Aber wir beide, mein Zwerg und ich, haben echt eine Zeit lang gebraucht, um wieder auf die Beine und in den Alltag zu kommen nach unserer dicken Erkältung. Und außerdem ist ja noch grade die Fußball-EM etc., etc., 🙂

Nun, wie fühle ich mich momentan als Mami und wie empfinde ich das Leben zuhause mit dem Wurm? Es ist ganz unterschiedlich. Eine Sache muss man vorweg nehmen: ich werde ab September wieder arbeiten gehen. Zwar in Teilzeit, aber dennoch mache ich mir jetzt schon Gedanken darüber, wie es sein wird, wie ich Baby und Job und Haushalt (ja, man teilt sich den Haushalt mit dem Mann, aber seien wir ehrlich: Trotzdem machen wir Fauen immer noch mehr) unter einen Hut bringen will. Die Gedanken um dieses Thema beeinflussen momentan meinen Alltag ziemlich stark, leider. Leider – weil ich ja noch fast ganze zwei Monate zu Hause habe und auch theoretisch der Meinung bin, dass der Wurm mit acht Monaten sich bei seiner Oma, meiner Schwiegermama, pudelwohl fühlen wird und ich absolut kein schlechtes Gewissen zu haben brauche. Trotzdem habe ich es irgendwie. Und jeden Tag analysiere ich sein Verhalten und seine Entwicklung, um mir ein Bild zu machen: Ist er schon so weit? Oder doch noch zu klein? Manchmal frage ich mich, ob es nicht tatsächlich eher die Mütter sind, die sich von ihren Kleinen nicht trennen können, als dass die Kleinen vermeintlich noch „zu klein“ sind. Ich glaube, ich kann dieses Spiel nur verlieren und deswegen konzentriere ich mich darauf, dass die Entscheidung nach acht Monaten wieder arbeiten zu gehen aus unterschiedlichen Gründen für uns auf jeden Fall richtig ist. Die Gründe sind hier erstmal nebensächlich.

Viel wichtiger ist: Wie hat sich mein kleines Känguruh-Baby, wie ich ihn ab und zu nenne, entwickelt?

Ich denke, besonders prägend momentan ist sein andauernder Bewegungsdrang. Er dreht sich auf den Bauch und zurück, versucht mit den Armen seinen Oberkörper hochzustemmen und hebet auch seinen Po an, wenn er den Oberkörper ablegt. Ich vermute, in etwas einem Monat wird er Krabbeln oder sich auf irgend eine ähnliche Wiese fortbewegen. Dieser Bewegungsdrang bringt ganz neue Herausforderungen mit sich. Auf dem Wickeltisch kann man ihn kaum noch wickeln, da er sich andauernd hin- und her windet und alles, wirklich alles, was sich in greifbarer Nähe befindet, anfassen muss. Man kann ihn jetzt auch nicht mehr in die Mitte vom großen Bett legen, denn irgendwie schafft er es, sich mal so und dann mal so zu drehen und dann nochmal um 90 Grad – und Schwupps! sehe ich ihn schon am Boden liegen. Langsam fängt also die Zeit der ständigen Wachsamkeit an.

Ansonsten ist es herrlich zu beobachten, wie er die Welt um sich herum wahrnimmt: Neulich im Park  haben wir Enten entdeckt. Der kleine Mann hat seine Aufregung und Freude mit seinem ganzen Körper kund getan. Solche Momente sind ein wahres Highlight!

Weniger amüsant sich Zickereien, etwa, wenn ihm langsweilig ist und er unterhalten werden will. Es kommen langsam immer mehr diverse Launen hinzu, die er äußern kann. Manchmal kann ich diese Launen auch gar nicht deuten und muss hin- und her probieren, was er meinen und wollen könnte.

Auch ist unser Sohn ein sehr fleißiger Esser! Die Einführung der Beikost klappt bisher ganz prima, dazu werde ich vermutlich aber noch einen separaten Eintrag verfassen.

Was mich besonders freut: Er scheint sich seinen Strahlemann-Wesen beizubehalten. Er ist wirklich IMMER gut gelaunt und strahlt ALLE, also auch Fremde an. Klar, Sachen wie Hunger und Müdigkeit trüben ab und zu sein Lächeln. Aber sein Wesen ist vom Grund auf definitiv ein positives. Und das ist ein wahrer Segen für uns als Eltern. Wir können es wirklich schätzen, solch ein pflegeleichtes Baby zu haben!

Das waren so die groben Punkte, die mich momentan bewegen. Bis zum nächsten Mal! 🙂

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Irrtümer, die ich glaubte, bevor ich Mama wurde

Es gibt da so ein paar Dinge, die man meint besser als alle anderen zu wissen. Vor allem, wenn man noch keine Kinder hat, hat man das Gefühl, man würde bestimmte Sachen besser machen, als andere frischgebackene Eltern. Wie absurd! Eine der wenigen Aussagen, die man tatsächlich glauben kann, ist nämlich die, dass man einfach keine Ahnung hat, bevor man nicht selber Kinder bekommt.

Nun habe ich selber ein Baby und habe mich schon wenige Wochen nach der Ankunft des schönsten Wesens auf der Welt gefragt, wie ich auch nur annehmen konnte, dass ich etwas „besser“ könne als andere. Wie konnte ich andere frischgebackene Eltern aus meiner Situation heraus beurteilen? Das kann man nicht. Punkt. Hier möchte ich nun ein paar dieser Irrtümer auflisten. Ich denke, die Liste wird mit der Zeit länger und länger werden…

  1. Kinder werden so, wie wir sie erziehen. Ein Baby ist ein formbares Wesen und man muss es an die eigenen Lebensumstände adaptieren. Falsch! Jedes Baby ist zum Zeitpunkt seiner Geburt bereits eine Persönlichkeit. Wir können Babies bei Dingen helfen, die sie selber noch nicht steuern können, aber wir können niemals ihre Persönlichkeit verändern. Wenn ein Baby leicht ablenkbar ist und Ruhe beim Essen braucht, dann ist das eine Tatsache. Wenn ein Baby gerne die Körpernähe der Eltern spürt, dann ist es eine Tatsache. Wenn ein Baby gerne in einer bestimmte Position liegt und weniger gerne in einer anderen, dann ist es auch eine Tatsache. Das natürlichste Elternverhalten ist, all diese Tatsachen zu akzeptieren. Und ja, daraus kann dann automatisch folgen, dass man nicht das Baby an sich, sondern sich an das Baby adaptieren muss.
  2. Wieso bitte sagt die Freundin XY, dass sie nicht mal Zeit zum duschen hat? Die zehn minuten wird man sich doch nehmen können! Also, ich konnte mir die zehn Minuten an Anfang leider auch nicht nehmen. Dabei war unser Baby keineswegs besonders kompliziert, er hat sich nur nicht so gut ablegen lassen tagsüber. Das heißt, ich saß teilweise einfach nur auf der Couch, mit ihm auf dem Arm und er hat geschlafen. Er ist nämlich sofort aufgewacht, sobald man ihn abgelegt hat. Für’s Duschen musste dann mein Mann/Mutter/Schwiegermutter da sein. Und, Oh Mann, Duschen war der pure Luxus in den ersten Wochen! Aber: Es wird besser, definitiv. Heute, fünf Monate später kann ich auch duschen gehen, während er im Bettchen oder seiner Wippe mit sich selber beschäftigt ist.
  3. Na, zur allergrößten Not kann man das Baby ein paar Minuten schreien lassen wenn man gerade etwas erledigt. Es wird schon keinen großen Schaden davontragen. Tja, ich bin kein Experte, ab wievielen Schreiminuten das Baby tatsächlich „einen Schaden“ davonträgt, aber dass eine Mutter es in der Anfangszeit nicht eine einzige Sekunde aushält, ihr Ein und Alles schreien zu hören, das ist Fakt. Ich habe mitgeheult in den ersten Wochen. Hat die Natur echt super eingerichtet, oder?
  4. Wir werden auf jeden Fall total lockere Eltern! Wir gehen viel raus, viel zu Freunden und nehmen das Baby einfach mit. Da kann ich nur auf Punkt 1 verweisen: Wenn es das Baby mitmacht, prima. Aber nicht alle Babies machen alles mit und gerade in den ersten Monaten stellt sich für frischgebackene Eltern die Frage, was wichtiger ist: soziale Kontakte oder Schlaf. Für mich war es definitiv der Schlaf…

 

Prost! Ich trink dann mal ’nen Minztee…

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Das Thema Stillen ist nun endgültig vorbei. Heute habe ich es abgehackt. Nicht, dass es überraschend käme, ich habe im letzten Monat deutlich gemerkt, dass es immer weniger wird und dass es nicht mehr lange funktionierenn würde. Aber irgendwie hatte ich mir doch erhofft, dass man immer zumindest eine geringe Menge an Milch hat, solange man das Baby anlegt. Aber nein, so einfach ist es – bei mir zumindest – nicht. Im Urlaub hat sich das Ende schon abgezeichnet, da habe ich nur noch pro forma nachts angelegt, damit der Kleine wenigstens ein paar Tropfen bekommt und damit (wie ich gehofft habe), die Milchproduktion angeregt wird. Denn es heißt ja, besonders das nächtliche Stillen ist gut  für die Milchanregung. Es war mir ja alles klar und bewusst und ich bin froh, überhaupt fünf Monate durchgehalten zu haben – nachdem wir schon mit knapp einem Monat zugefüttert haben. Dennoch ist es irgendwie schwerer als gedacht, so richtig mit diesem Thema abzuschließen. Heute habe ich es mal wieder versucht, ohne große Hoffnung auf Milch, einfach nur, damit der Kleine sich beruhigen konnte, denn er hat ein bisschen gequengelt. Dann ist er aber völlig ausgerastet, als er merkte, dass es eben nicht die Flasche mit der Milch, sondern „nur“ die Brust ist. Gut, dan ist es für mich das Zeichen, dass es vorbei ist.

Und um nicht in Slebstmitleid zu zerfließen, denn beim Stillen geht es nicht um mich, sondern um die Gesundheit meines Babys, und unser Baby ist supergesund, mache ich mit diesem Beitrag jetzt offiziell Schluss mit den Stillversuchen. Und geh einen Minztee trinken – darf ich ja jetzt.

Wenn das Baby mehrsprachig aufwächst

Dieser Beitrag soll informativer Natur sein, da ich vor kurzem einen Vortrag zur mehrsprachigen Kindererziehung besucht habe. Warum? Weil auch unser Sohn mehrsprachig aufwachsen soll. Ich bin gebürtige Russin, in meinem Elternhaus wird nur Russisch gesprochen und selbstverständlich möchte ich die Sprache, Kultur und russische Traditionen an mein Kind weitergeben. Wäre auch ganz schön dumm, ihm ein so mächtiges Kapital wie eine zusätzliche Sprache vorzuenthalten.

Einiges beim Vortrag über die mehrsprpachige Kindererziehung war logisch und selbstverständlich, anderes hat mich überrascht und ich habe viel Wissenswertes zu diesem Thema erfahren, was ich nachfolgend teilen möchte.

  • Möchten die Eltern ihre Kinder mehrsprachig erziehen, müssen sie sich zuallererst einer Sache bewusst sein: Ein Mensch besitzt, egal, wie viele Sprachen er beherrscht, immer eine starke Sprache. Diese sprache ist fast immer die Umgebungssprache (z.B. Deutsch in Deutschland). Es ist kaum möglich, mehrere Sprachen auf dem absolut perfekten Niveau zu beherrschen. (Dies bedeutet nicht, dass man nicht mehrere Sprachen fast perfekt sprechen kann). Eltern sollten sich dessen bewusst sein und nicht allzu hohe Anforderungen an sich, ihren Alltag und das Kind stellen.
  • Das menschliche Gehirn hat eine unendliche Kapazität, was den Spracherwerb angeht. Möchten die Eltern ihrem Kind x Sprachen aneignen, können sie das gerne tun. Es führt nicht zur Verwirrung, wenn das Kind mehreren Sprachen ausgesetzt ist. Es ist nur so, dass es natürlich schwierig ist, mehrere Sprachen im Alltag unterzubringen.
  • Wichtig: haben Eltern den Anspruch, dass ihr Nachwuchs später mehrere Sprachen akzentfrei sprechen kann, ist es notwendig direkt nach der Geburt mit ihm in diesen Sprachen zu kommunizieren. In den ersten sechs Lebensmonaten bilden sich die Strukturen im Gehirn aus, die für den Erwerb von Lauten verantwortlich sind.
  • Es ist ganz normal, dass folgende Entwicklung passiert: Das Kind verbringt die ersten Lebensjahre zu hause, bei der/dem Mutter/Vater und bekommt von dieser Bezungsperson eine Sprache, sagen wir, Russisch, beigebracht. Es versteht und spricht die Sprache. Es kommt in den Kindergarten, wo es Deutsch lernt. das Kind wird vermutlich irgendwann ganz aufhören, Russisch zu sprechen, da die Umgebungssprache einfach überwiegt. Es wird weiterhin alles verstehen, aber nur Deutsch sprechen. Das ist ganz normal und die Eltern müssen nicht verzweifeln oder das Kind dazu zwingen, auf Russisch zu kommuizieren. Sie sollten aber standhaft bleiben und weiterhin mit dem Kind Russisch sprechen. Irgendwann, so hieß es im Vortrag, wird das Kind wieder diese Sprache beherrschen. Eine sehr wichtige Info, wie ich finde.
  • Und zu guter Letzt, etwas, was ich sehr süß finde: In der Lallphase (die ersten sechs Lebensmonate) lallen und gurren alle Babies weltweit gleich! 🙂

Dieser Vortrag hat mich sehr darin bestärkt, weiterhin konsequent Russisch mit meinem Baby zu sprechen. Natürlich bin ich mir dessen bewusst, dass er vermutlich nicht Russisch sprechen wird, da er dies nur von mir, wenn wir beide alleine sind und von meinen Eltern, die er ein paar mal im Monat sieht, zu hören bekommt. Dennoch erhoffe ich mir zumindest, dass er es versteht und vielleicht irgendwann, als junger Erwachsener das Interesse hat, die Sprache und das Land näher kennenzulernen.