Der Tag, den ich am liebsten aus dem Kalender streichen würde

Dieser Tag, bzw. das Ereignis, das diesen Tag so furchtbar machte, war der letzte Sonntag. Und ich schwöre euch, man kann daraus ein Szenario für einen Katastrophenfilm machen.

Die Ausgangssituation: Hitze. Mein Mann und ich sind samt Nachwuchs den halben Tag unterwegs und total angestrengt. Wir haben in der Stadt, haben einige Sachen erledigt, waren dann in einem schönen Park am Flussufer, haben uns allerdings zeitlich total verschätzt und nicht genug zu Essen für den Nimmersatt eingepackt. Was dazu führt, dass wir unseren Aufenthalt im Park nach ca. 20 min. abbrechen müssen, da wir noch den ewig langen Nachhauseweg vor Augen haben: 45 min. mit Straßenbahn und U-Bahn, 2 Mal umsteigen. Kleiner Mann quengelt jetzt schon, wir sterben vor Hitze. So machen wir uns also angespannt auf den Weg und überlegen uns, wie wir ohne Geschrei unser Zuhause erreichen.

Kurz vor dem Ziel: An unserer letzten „Umsteigestation“ angekommen, sind wir müde und freuen uns einfach auf Zuhause. Wir sind bereits jetzt einer Meinung: Der Tag ist einfach nur total anstrengend. Da wir an diesem Tag schon sehr viele Rolltreppen benutzt haben, beschließen wir der Einfachheit halber hier den Aufzug nach oben zur Straße zu nehmen. Einen relativ kleinen, zusammen mit 8 weiteren Personen. Wir drücken auf den Knopf, der Aufzug fährt los und bleibt direkt darauf, nach vielleicht einem halben Meter, ruckartig stehen. Das Zeichen „Störung“ leuchtet auf.

„Mist“, denke ich, ich bin noch nie im Aufzug stecken geblieben. Und gerade jetzt, mit einem hungrigen Baby und bei sehr starker Hitze in diesem Glasaufzug…das hat uns gerade noch gefehlt. Meine Knie werden kurz weich, aber ich beruhige mich wieder und denke mir, nachdem wir den Alarmknopf gedrückt hatten: „Naja, in spätestens 10  Minuten sind wir hier draußen“. Wir werden den Kleinen schon ablenken können.

Der Horror beginnt: Die 10 Minuten vergehen, aber keine Hilfe kommt. Es wird immer heißer im Aufzug. Die Leute fangen an, sich mit Papier und anderen Sachen, Luft zuzufächern. Gott sei dank, lassen sich die Aufzugtüren ca. 10cm öffnen, sodass wir zumindest psychologisch die Sicherheit haben: Es kommt Luft rein. Gott sei dank, wurden wir bereits von anderen Leuten bemerkt. Ebenfalls von einer VGF-Mitarbeiterin, die uns zuruft, sie habe nochmals die zuständigen Mitarbeiter informiert, sie sind auf dem Weg. Weitere 10 min. vergehen. Man fragt sich, ob es einen einzigen für Fahrstühle zuständigen VGF-Mitarbeiter in Frankfurt gibt und ob er durch die halbe Stadt müsse. Wir kommen langsam auf die Idee, unserem Baby etwas zu trinken anzubieten. Er trinkt eigentlich nicht sehr gerne und auch hier verweigert er sich seinem Tee. Wir bleiben hartnäckig. Ich werde nervöser, denn es ist nicht zu erkennen, wie lange wir noch im stickigen Fahrstuhl verweilen müssen.

Plötzlich erscheint eine zweite Mitarbeiterin. Sie ist, ebenfalls wie die erste, nicht für Fahrstühle zuständig, meint aber, uns tatkräftig in unserer Situation unterstützen zu müssen. Lautstark ruft sie „Gebt dem Baby was zu Trinken!“ Wir sind ja dabei. Bisher verhält sich unser Sohn wie ein Musterbaby. Von großem Hunger keine Spur, der Wurm spürt wohl, wie angespannt sie Lage ist. Wir halten ihn auf dem Arm und wechseln uns ab, wir fächern ihm zu, ich puste auf ihn und wir geben alles, um ihn kühl zu halten. Uns selber rennt der Schweiß. Als dann die zweite VGF-Mitarbeiterin ruft, wir sollen das Baby ausziehen, dämmert mir plötzlich, dass wir in einer brenzligeren Situation sind, als ich bisher dachte. Und da breche ich zusammen. Ich spüre einfach nur Panik. VERDAMMT! WIE LANGE DENN NOCH? WIE KANN DENN SO ETWAS IN DEUTSCHLAND PASSIEREN? Wie absurd, wir sind so nah am Boden und können nicht weg. Und wenn es hart auf hart kommt und unser Baby wirklich medizinische Hilfe benötigt, dann kann uns schlichtweg niemand da rausholen. Ich fange mich nach einer kurzen Zeit wieder und weiß, dass ich nur funktionieren muss. Gott sei dank haben wir eine Wasserflasche dabei, ich nehme das Wasser, um unseren Sohn damit abzureiben und fächer ihm zu. Auch andere Insassen fächern mittlerweile nicht mehr sich, sondern unserem Baby zu. Ich könnte wieder heulen. Eine ältere Dame setzt sich auf den Fußboden, sie kann nicht mehr.

Mittlerweile sind ungefähr 30 min. vergangen – es hört sich vielleicht nicht so schlimm an, aber glaubt mir, eingequetscht auf kleinem Raum mit Todesängsten um das eigene Kind, ist das der wahre Horror. Doch endlich, die Rettung naht, es erscheinen 2 Männer, die uns rausholen müssen. Nach kurzer Zeit wird klar: Sie schaffen es nicht. Die Türen gehen nicht auf und sie wissen nicht, warum. Ist es nicht absurd? Erwartet man so etwas, wenn es um technische Sachen in unserem Land geht? Ich nicht. Und ich bin kurz vorm Durchdrehen. Die VGF-Damen reichen uns durch den Minispalt mittlerweile kleine Wasserflaschen, die sie auf der Damentoilette befüllen. Ich habe mittlerweile den Sauger von der Babyflasche abgemacht und versuche meinem Sohn in kleinen Schlückchen seinen Tee einzuflößen. Er verschluckt sich. Ich bin ein weiteres Mal kurz vorm Zusammenbruch.

Die Türen gehen auf!!! Endlich! Wir sind frei! Ich kann es gar nicht fassen. Ich weiß nicht, ob ich Lachen oder Weinen soll, vor lauter Anspannung, die abfällt. Ich springe runter (der Aufzug hängt ja immer noch etwas „in der Luft“), mein Mann reicht mir unseren nur mit Windel bekleideten und nassgeriebenen Schatz. Im U-Bahntunnel ist es aber sehr kalt und windig! Ich wickel mein Ein und Alles schnell in eine Decke und fange einfach nur an zu heulen. Mein Gott, ich bin so glücklich. Uns geht es gut. Unserem Baby eindeutig auch, er war eigentlich die meiste Zeit über putzmunter und hat sich nicht beschwert. Wir waren insgesamt 60 Minuten bei brutaler Hitze in diesem Glasfahrstuhl eingesperrt. Unser Sohn ist definitiv ein Held – ich bin die Mutter eines Helden. ❤

Der Berufseinstieg

Letzten Freitag war mein erster Arbeitstag nach acht Monaten Babypause. Und nach zehn Monaten inklusive Mutterschutz. Wie ich schon hier berichtet hatte, war ich verständlicherweise nervös darüber, wie ich empfangen werde, wie ich mich mehrere Stunden am Stück auf etwas, das nicht mein Baby ist, konzentrieren kann usw. Gott sei dank war ich mir wenigstens darüber sicher, dass mein Sohnemann bei seiner Oma bestens aufgehoben ist und mich nicht vermissen wird.

Und ich darf verkünden: Der Einstieg war gar nicht mal so schlecht! Viel Trara wurde um mich nicht gemacht, was ich ehrlich gesagt auch besser finde. Erstaunlicherweise wusste ich noch einige Sachen von der Arbeit intuitiv. Und ich habe mich wirklich gefreut, die Kollegen wiederzusehen. Alles in allem, hatte ich nicht das Gefühl, so lange weggeblieben zu sein. Was mir allerdings wirklich eher schwerer gefallen ist, ist die Konzetration auf Arbeitsthemen, sodass der Tag mit Kopfschmerzen endete, aber ich denke, nach eins, zwei Wochen wird auch das Vergangenheit sein. Und selbstverständlich habe ich mein Baby vermisst! Allerdings war er auch – damit ich richtig gut ausschlafen konnte vor dem ersten Arbeitstag und weil mein Mann krank war – über Nacht bei meiner Mutter, sodass ich ihn tatsächlich insgesamt fast 24h nicht gesehen hatte. In Zukunft werden diese Abstände sich natürlich nur auf meine Arbeitszeit beschränken.

Alles in allem bin ich sehr positiv aufgestellt und bin noch etwas nervös, wie sich die nächsten Wochen schlaftechnisch etnwickeln, aber ich bin guter Dinge, dass wir auch da eine gewisse Routine bekommen werden. 🙂

Und jetzt geht’s ins Bett (21:00, an einem Sonntag…)