Wenn das Baby mehrsprachig aufwächst

Dieser Beitrag soll informativer Natur sein, da ich vor kurzem einen Vortrag zur mehrsprachigen Kindererziehung besucht habe. Warum? Weil auch unser Sohn mehrsprachig aufwachsen soll. Ich bin gebürtige Russin, in meinem Elternhaus wird nur Russisch gesprochen und selbstverständlich möchte ich die Sprache, Kultur und russische Traditionen an mein Kind weitergeben. Wäre auch ganz schön dumm, ihm ein so mächtiges Kapital wie eine zusätzliche Sprache vorzuenthalten.

Einiges beim Vortrag über die mehrsprpachige Kindererziehung war logisch und selbstverständlich, anderes hat mich überrascht und ich habe viel Wissenswertes zu diesem Thema erfahren, was ich nachfolgend teilen möchte.

  • Möchten die Eltern ihre Kinder mehrsprachig erziehen, müssen sie sich zuallererst einer Sache bewusst sein: Ein Mensch besitzt, egal, wie viele Sprachen er beherrscht, immer eine starke Sprache. Diese sprache ist fast immer die Umgebungssprache (z.B. Deutsch in Deutschland). Es ist kaum möglich, mehrere Sprachen auf dem absolut perfekten Niveau zu beherrschen. (Dies bedeutet nicht, dass man nicht mehrere Sprachen fast perfekt sprechen kann). Eltern sollten sich dessen bewusst sein und nicht allzu hohe Anforderungen an sich, ihren Alltag und das Kind stellen.
  • Das menschliche Gehirn hat eine unendliche Kapazität, was den Spracherwerb angeht. Möchten die Eltern ihrem Kind x Sprachen aneignen, können sie das gerne tun. Es führt nicht zur Verwirrung, wenn das Kind mehreren Sprachen ausgesetzt ist. Es ist nur so, dass es natürlich schwierig ist, mehrere Sprachen im Alltag unterzubringen.
  • Wichtig: haben Eltern den Anspruch, dass ihr Nachwuchs später mehrere Sprachen akzentfrei sprechen kann, ist es notwendig direkt nach der Geburt mit ihm in diesen Sprachen zu kommunizieren. In den ersten sechs Lebensmonaten bilden sich die Strukturen im Gehirn aus, die für den Erwerb von Lauten verantwortlich sind.
  • Es ist ganz normal, dass folgende Entwicklung passiert: Das Kind verbringt die ersten Lebensjahre zu hause, bei der/dem Mutter/Vater und bekommt von dieser Bezungsperson eine Sprache, sagen wir, Russisch, beigebracht. Es versteht und spricht die Sprache. Es kommt in den Kindergarten, wo es Deutsch lernt. das Kind wird vermutlich irgendwann ganz aufhören, Russisch zu sprechen, da die Umgebungssprache einfach überwiegt. Es wird weiterhin alles verstehen, aber nur Deutsch sprechen. Das ist ganz normal und die Eltern müssen nicht verzweifeln oder das Kind dazu zwingen, auf Russisch zu kommuizieren. Sie sollten aber standhaft bleiben und weiterhin mit dem Kind Russisch sprechen. Irgendwann, so hieß es im Vortrag, wird das Kind wieder diese Sprache beherrschen. Eine sehr wichtige Info, wie ich finde.
  • Und zu guter Letzt, etwas, was ich sehr süß finde: In der Lallphase (die ersten sechs Lebensmonate) lallen und gurren alle Babies weltweit gleich! 🙂

Dieser Vortrag hat mich sehr darin bestärkt, weiterhin konsequent Russisch mit meinem Baby zu sprechen. Natürlich bin ich mir dessen bewusst, dass er vermutlich nicht Russisch sprechen wird, da er dies nur von mir, wenn wir beide alleine sind und von meinen Eltern, die er ein paar mal im Monat sieht, zu hören bekommt. Dennoch erhoffe ich mir zumindest, dass er es versteht und vielleicht irgendwann, als junger Erwachsener das Interesse hat, die Sprache und das Land näher kennenzulernen.

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