Die Sache mit dem Stillen

Sehr häufig denke ich über das Thema Stillen nach. Bei mir, wie auch bei vielen anderen Frauen, ist es leider nicht unproblematisch: da ich nur wenig Milch habe, füttern wir unserem Kleinen Pre-Nahrung zu seit er circa 4 Wochen alt ist. In meiner Schwangerschaft habe ich mich absolut nicht mit diesem Thema beschäftigt. Die wenigen Infoquellen, die ich ab und zu mal las, schienen mir unverständlich: Frauen, die von Stillproblemen berichteten und davon, wie sehr Mutter und Kind dadurch in Stress geraten können, verbunden mit dem Ratschlag, sich bloß nicht unter Druck setzen zu lassen. Ich dachte mir ganz naiv: Wenn’s nicht klappt, dann klappt’s halt nicht, dann wird es eben ein Flaschenkind, mit der heutigen Qualität der Babynahrung gar kein Problem. Der zweite Teil der Aussage stimmt, der erste allerdings ist leichter gesagt als getan.

Ich kann kaum das Gefühl beschreiben, welches das erste Anlegen und die ersten Male Stillen bei mir ausgelöst haben und es immer noch tun. Diese Exklusivität und Nähe, die nur eine Mutter ihrem Kind durch das Stillen geben kann, ist einfach wundervoll, rührend und euphorisierend. Zu sehen, wie sich das Kind wie durch einen Knopf an der Brust beruhigt und sich geborgen fühlt, vermittelt einem das Gefühl von Stärke, Zufriedenheit, Liebe und schafft tatsächlich eine sehr, sehr tiefe Bindung – was natürlich nicht heißen soll, dass diese Bindung nur durch das Stillen herzustellen ist.

Da beim ersten Kind bekanntermaßen alles ganz aufregend ist und man sich teilweise sehr verunsichert fühlt, bewahrt man in vielen Situationen keinen kühlen Kopf. So auch ich, als nach einigen Wochen die Milch nicht mehr zu reichen schien: Der Kleine gab sich alle Mühe zu trinken, wurde aber immer wütender, da nicht viel Milch kam. Sofort reagierte ich und gab ihm Babynahrung, um seinen Hunger zu stillen. Milchanregung hin oder her, in dem Moment war es mir viel wichtiger das Baby satt zu kriegen. So nahm der Prozess seinen Lauf, und, wie man es immer wieder hört, das Zufüttern wurde mehr und mehr, meine Milch hingegen nicht. Glücklicherweise scheint sich das momentan so eingependelt zu haben, dass ich nach wie vor einigermaßen ausreichend Milch habe, um ihn 2-3 mal am Tag zu Stillen, wobei auch da meistens noch die Flasche hinterher kommt.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich meinem Sohn zum ersten Mal die Flasche gegeben habe. Ich war wahrhaftig eifersüchtig zu sehen, wie ein Plastikding meinem Kind etwas geben kann, was ich ihm nicht zu geben vermag. Und gleichzeitig bilde ich mir ein (es kann nur Einbildung sein), mit sehr traurigen und vorwurfsvollen Augen angeschaut worden zu sein. Und peng! Schon war das schlechte Gewissen da und das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben.

Mein persönliches Fazit zum Thema Stillen ist heute, dass ich in diese „Stressfalle“ getappt bin: Zu viel Leistungsdruck als Mutter sofort funktionieren zu müssen, zu viel Stress in den ersten Wochen, zu erschreckend der Gedanke, das Kind auf herkömmlichem Wege nicht satt bekommen zu können und zu groß die Angst, was mit dem kleinen Würmchen passiert, wenn es nicht SOFORT die nötige Essensmenge bekommt. Ich denke, beim zweiten Kind würde ich die Sache viel gelassener sehen: Babys sind viel robuster als man denkt! Und mit dieser Gelassenheit würde auch die Milch besser fließen. Aber auch wenn nicht: ich bin nicht die erste oder letzte Frau auf der Welt mit diesem Problem und, wie gesagt, auch Flaschenkinder werden gesund großgezogen. Und haben mit Sicherheit keine Bindungsprobleme, wie es einige Beispiele in meinem Umfeld belegen.

Folglich möchte ich mich in die Kreise der Frauen einreihen, deren Appelle ich während der Schwangerschaft nur mit einem Schulterzucken wahrnahm: Bitte, alle frischgebackenen Mamis, macht euch nicht so viel Stress! Probiert einige Sachen aus, aber nur soweit, wie ihr euch damit wohl fühlt. Letztendlich ist es ganz, ganz wichtig den Weg zu finden, der euch das Leben erleichtert, denn wie meine Hebamme zu sagen pflegte: „Zu einem glücklichen Baby gehört eine glückliche und entspannte Mama.“ 🙂

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s