Tops und Flops einer Schwangerschaft

Menschen tendieren ja immer grundsätzlich dazu, entweder in der Zukunft oder in der Vergangeneheit zu leben. Ich bin auch so ein Kandidat: Oft bin ich mit dem, was ich habe unzufrieden und tappe leicht in die Falle, mir vorzustellen, dass das Leben soooo viel besser wird, wenn endlich ein Lebensumstand X passiert/erreicht/zu Ende ist. Oder aber das Gegenteil: Ich denke mir „Hey, damals war das ja doch eine ganz geile Zeit warum habe ich das nicht geschätzt und mich andauernd  über etwas beschwert?“ Verdrängen, Vergessen, Idealisieren und Streben liegt in der Natur der Menschen und an sich ist es unter Umständen eine tolle Sache, denn wie sonst soll man im Leben vorankommen, wenn man nicht den aktuellen Status bemängelt und „mehr“ vom Leben will – was auch immer dieses „Mehr“ bedeutet.

Daher möchte ich für mich heute, kurz vor der Entbindung, festhalten, was meine Schwangerscahft besonders schön gemacht hat und welche Umstände/Beschwerden mir zu schaffen gemacht haben bzw., was ich mir anders vorgestellt oder gewünscht hätte. Damit ich nach einiger Zeit noch genau weiß, wie alles war und diese aufregenden 10 Monate eben nicht verdränge, vergesse oder idealisiere. 🙂

So here we go, zuerst natürlich die schönen Seiten dieses Zustands:

  • Ganz objektiv betrachtet ist die Tatsache, dass der eigene Körper ein Brutkasten für ein winziges Menschenleben ist, ein Wunder. Anders kann man das nicht nennen und diese Leistung  ist never ever durch irgend etwas zu toppen. Es ist ein Privileg und Glück und macht mich stolz, so etwas erleben zu dürfen.
  • Die Bewegungen und Tritte, die einem der kleine Mensch verpasst, erschaffen eine ganz besondere emotionale Verbindung zum Baby.
  • Man findet sich schön! Es stimmt wirklich: Null Haarausfall und eine reine Haut!
  • Wann kann man jemals wieder alles essen, was man möchte? Und wann schmecken saure Gurken jemals wieder so unfassbar gut?
  • Der eigene Zustand macht Freunde und Bekannte ganz neugierig und fürsorglich.
  • Man hat Lust und nimmt sich auch die Zeit, mental ganz bei sich und dem Baby zu sein und das ist eine ganz besondere Erfahrung.

Nun die weniger schönen Aspekte:

  • Gesundheitlich kann eine Schwangerschaft natürlich ganz individuelle Beschwerden nach sich ziehen, die wenig romantisch und gegen Ende wirklich nervig sind: Übelkeit, Sodbrennen etc. Ich bin größtenteils von allem verschont geblieben, außer der anfänglichen Übelkeit, die sich von morgens bis abends hartnäckig mindestens die ersten 14 Wochen gehalten hat.
  • Durch unterschiedlichste Beschwerden und später auch das Gewicht, das ja nicht gleich verteilt ist, setzt der Körper einem Grenzen, die man akzeptieren muss. Es ist nicht immer leicht zu verstehen, dass man mehrere Gänge runterschalten muss und eben nicht mehr so aktiv sein kann wie früher. Dieser Zustand war bei mir sehr ausgeprägt: Sobald ich schwanger wurde, habe ich eine Abneigung gegen Menschenmassen verspürt und war andauernd müde.
  • Der Hunger ist kaum zu ertragen!!! Essen wird – bei mir gerade in den ersten Wochen – zum Lebensmittelpunkt.
  • Oft fühlt man sich auch unverstanden von der Umwelt und genervt von der Tatsache, Menschen erklären zu müssen, dass und warum eine Tätigkeit X gerade nicht machbar für einen ist. Ich fand das teilweise unangenehm und war ab und an bestrebt, mich „zusammenzureißen“ und bestimmte Aktivitäten durchzuziehen, nach dem Motto „eine Schwangerschaft ist ja keine Krankheit“.
  • Viele unterschiedliche Ängste haben mich geplagt und plagen mich immer noch, aber das ist ein anderes Thema und hat nicht wirklich etwas mit dem Schwagersein an sich zu tun. 🙂

So, das waren zur Zeit die wichtigsten Punkte, derer ich mich entsinnen kann. Möglicherweise ist die Liste „to be continued“.

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Endspurt!

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(Quelle: frauenzimmer.de)

Nun ist es bald so weit und unser Kleines könnte jeden Tag das Licht der Welt erblicken. Ich bin schon sehr, sehr gespannt, aber auch etwas angespannt – wann geht es tatsächlich los und werde ich sofort wissen, dass es richtig losgeht und kein Fehlalarm ist? Allen Prognosen zum trotz hoffe ich, dass der Kleine sich ein paar Tage früher als erwartet meldet und es sich nicht allzu bequem im Bauch macht, sodass womöglich die Geburt an Weihnachten eingeleitet werden muss. Von eingeleiteten Geburten habe ich ja schon einige Horrorstorys gehört. Aber egal – er kommt, wann er kommen will.

Diese letzten Tage meiner Schwangerschaft will ich nochmal gefühlsmäßig festhalten. Es ist schon was ganz Besonderes zu realisieren, dass das Leben, wie man es bisher kannte sehr, sehr bald vorbei sein wird. Dass bald ein neuer Mensch, ein neues Familienmitglied auf die Welt kommen wird, was sich so fast ganz ohne das eigene Zutun in meinem Körper etwickelt hat und schon jetzt eine ganz eigene Persönlichkeit hat. Und dieser Mensch wird für das restliche Leben der wichtigste Mensch bleiben. Das ist eigentlich kaum vorstellbar und so theoretisch. Ich stelle mir auch vor, dass man sich nach der Entbindung fragt: Wo kommst du denn auf einmal her, kleiner Mensch??? Sehr gespannt bin ich auch auf das Gefühl der Leere im Bauch: Ich bin jetzt schon so lange schwanger, wie ist es denn, plötzlich nicht mehr schwanger zu sein? Aber natürlich kreisen die Gedanken primär um eine reibungslose Entbindung und ein gesundes, putzmunteres, starkes Baby. Gott sei Dank schwindet auch die Angst vor der Geburt allmählich – es kommt alles so, wie es kommen muss und die Natur wird sich schon ihren Weg bannen.

Wir freuen uns auf dich, kleiner Mann im Bauch, und erwarten dich ganz sehnsüchtig, komm bald raus! 🙂